Verein Kinderkrippe Kindergarten Schule

Drei Tage Feierlichkeiten zum Jubiläum - 30 Jahre Waldorf im Zollernalbkreis
Eindrücke und Bilder von Björn Gruner und Holger Grebe, Mitarbeiterfoto Elmar Wischnewski


Das Jubiläum begann am Donnerstag dem 30.06.2016 um 20:00 h mit Beiträgen aus dem Kollegium unter dem Motto: „Nicht Fässer füllen, sondern Fackeln entzünden“ - 30 Jahre Waldorfschule Balingen, Bildung zwischen Nützlichkeit und Menschlichkeit. Holger Grebe (Oberstufenlehrer) und Natalia Aculova (Eurythmielehrerin) blickten auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Waldorfschule. Gotthold Salzer, ehemaliger Klassenlehrer aus dem Gründungskollegium, erläuterte dabei den „Grundsteinspruch“ aus seiner Feder, der 1991 in die Bodenplatte für den Neubau mit einbetoniert wurde. Als Vertreterin der frühen Elternschaft wurde Gudrun Schmitz geehrt, die 1980 mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann Ludwig die Annonce aufgegeben hatte, die sechs Jahre später zur Schulgründung führte. Außerdem wurden Mitarbeiter aus allen Bereichen von Schule, Kindergarten und Krippe geehrt. Jonathan Konzelmann (Klasse 13) rahmte die Feier mit seiner Klarinette musikalisch ein.


Am Freitag, dem 01.07.2016 fand vormittags das Oberstufenforum für die Klassen 9 bis 13 mit dem Thema: „Gelebte Schulgeschichte - Gespräche mit Ehemaligen“ statt. Als „Ehemalige“ nahmen Stefan Hartmann (22 J., Student der Wirtschaftsinformatik), Sabine Butz (29 J, Hebamme) Elisabeth Noack (30 J., Archäologin), Anja Salzer (35 J, Ethnologin) und Daniel Schandock (40 J, Offset-Drucker und werdender Krankenpfleger) am Forum teil. Das Gespräch wurde von den derzeitigen Schülersprechern moderiert, in der Hauptsache von Franziska Hellwig und Koray Potel (beide Klasse 10). Im Rückblick stehen die Ehemaligen sehr solidarisch zu ihrer Schule. Sie betonten die Vorteile der handwerklich-künstlerischer Ausbildung und eines guten Selbstbewusstseins. Stefan Hartmann unterstrich die „Macher-Mentalität“. Er rief die über 100 Oberstufenschüler dazu auf, ihren Beruf nach Interesse und Neigung zu wählen. Wichtige Erfolge der Ausbildung seien kommunikative Kompetenz, Empathie, der Mut querzudenken, die Fähigkeit ein Gemeinschaftsleben zu gestalten und ungewöhnliche Lösungen zu finden. Darin waren sich die Gäste einig.


Abends fand der Eurythmieabschluss der 11. Klasse mit dem Thema „Bewaffneter Friede“ statt. Auf diesen hatte Eurythmielehrerin Susanne Czerwenka die 36 Jugendlichen über Monate vorbereitet. Die künstlerische Darstellung von Texten und Musik zu „Krieg und Friede“ war gut besucht – ein bewegender Abend mit düster-nachdenklichen Bildern etwa aus dem spanischen Bürgerkrieg (Erich Arendt, „Barcelona“) oder mahnenden Worten von Laotse („Damit des Frieden gibt“). Beim anschließenden Ehemaligen-Treff nutzten einige Dutzend Gäste den lauen Sommerabend für Begegnungen und Gespräche.

 


Der Samstag startete mit dem offiziellen Festakt im Festsaal der Waldorfschule. Ingrid Wischnewski als Mitglied der Schulleitung begann den Reigen der Festredner.  30 Jahre Freie Waldorfschule Balingen seien auf jedem Fall ein Grund zu feiern. Das Leitbild der Waldorfschule, Denken, Fühlen und Wollen gleichgewichtig zu behandeln und eine "Erziehung zur Freiheit" vorzunehmen, sei gerade heute aktuell und zur Bewältigung der künftigen Herausforderungen essenziell. Gotthold Salzer, Gründungmitglied der Schule, beschrieb die Anfänge und die Begeisterung, die zum erfolgreichen Aufbau der Waldorfschule und des Waldorfschulvereins geführt haben. Diese Begeisterung trage bis heute. Oberbürgermeister Helmut Reitemann sprach davon, wie sehr die Waldorfschule das kulturelle Leben in der Stadt bereichere. Die Gründung sei ein Glücksfall für die Stadt Balingen gewesen, sie sei hier nicht mehr wegzudenken. Auch wenn es teilweise noch Vorurteile gäbe – "der Erfolg gibt dem Konzept Recht."
Auch Christoph Sander, Vorstandsmitglied der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen, und Frau Dr. Susanne Speckenbach vom Bund der Freien Waldorfschulen gratulierten und dankten der Balinger Einrichtung und vor allem den Eltern, die diese tat- und ideenkräftig unterstützen.


Im Anschluss wurde die Waldorfschule Balingen offiziell als erste Fair-Trade Schule im Zollernalbkreis ausgezeichnet. Hans-Martin Hauch, der an der Schule Religionslehrer war, sowie Bernhard Schädle-Horn und Cornelia Horn von der Fair-Trade-Steuerungsgruppe der Stadt freuten sich, jetzt auch eine Fair-Trade-Schule vor Ort zu haben. Engagierte Schüler und Lehrerinnen um Maria Radetzki und Margit Vogel präsentierten die bisherigen Aktivitäten zum Thema, insbesondere den seit 8 Jahren bestehenden „Weltladen“ und die Erfolge eines Theaterstücks vom Thema „Faire Kleidung“ von 2015.

 


Nach dem Festakt wurde zum öffentlichen Geburtstagsfest geladen – mit vielerlei Unterhaltung für Groß und Klein. Im Eurythmie-Saal war eine Fotoausstellung zu 30 Jahren Freie Waldorfschule Balingen zu sehen. Ein Luftballonweitflugwettbewerb lud zur Teilnahme ein (der weiteste Flug ging über die Grenze hinweg nach Tschechien). Viele weitere Spiele und Unterhaltung für alle, abgerundet von einem Speise- und Getränkeangebot, das seinesgleichen sucht – führten zu einem rundherum erfolgreichen und gut besuchten Fest. Das Event fand am frühen Abend mit Auftritten der Schülerband der Waldorfschule, sowie den Gruppen Red flac und Schlaraffenlandung (Band ehemaliger Schüler) einen ausgelassenen Abschluss. Sogar der Wettergott war der Feierlichkeit an diesem Tag hold.